Lebendigkeit als Leidenschaft
Unser Netzwerk der kongress tanzt steht für lebendige Veranstaltungen, bei denen Menschen sich gut begegnen, lernen und miteinander Neues gestalten können. Bei unseren jährlichen Treffen erproben wir neue Formate, die diesem Zweck dienen.
Wir werden öfter gefragt: Was ist der kongress tanzt (dkt) eigentlich – eine Event-Firma? Eine Agentur? Eine Marketing-Gemeinschaft? Wir sind, zumindest bis jetzt, nichts von alledem. Seit 16 Jahren besteht unser Netzwerk. Die Zusammensetzung der Partner:innen hat sich immer mal verändert, der Zweck ist der gleiche geblieben: Wir unterstützen uns gegenseitig dabei, lebendige Veranstaltungen und Formate zu kreieren und zu moderieren. Lebendig heißt, dass Räume geöffnet und gehalten werden, die der vollen Entfaltung menschlicher Formate dienen. Interaktiv, inklusiv, innovativ. Dazu treffen wir uns zweimal jährlich. Wir probieren an uns selbst, welche Interventionen und Moderationen diesem Zweck dienen. Wir teilen Erfolgserlebnisse, die wir hatten, und wir haben so viel Vertrauen untereinander gewonnen, dass wir auch Fehler, Irrwege und Scheitern in den Kreis bringen. „Am meisten lernt man aus Fehlern,“ soll ein österreichischer Rennfahrer mal gesagt haben.
Hier ein bisschen „Behind the Scenes “. Drei Formate, mit denen wir beim jüngsten Sommertreffen experimentiert haben.
Format 1: Die Zettellawine. Eine Partnerin hätte gerne kollegiale Beratung von den anderen, wie sie – basierend auf einigen veröffentlichten Büchern – in die Erwachsenenbildung einsteigen kann. Das Format „Kollegiale Fallberatung“ hatte sich in der Vergangenheit oft in solchen Fragen bewährt. Aber wir wollten etwas Neues. Also Zettellawine. Jeder im Kreis hat seine Vorschläge, Hinweise und Hilfsangebote auf kleine Zettel geschrieben. Auf ein Starsignal hin wanderten ganze Haufen von Zetteln an die Fallgeberin – die überwältigt war von der Fülle von Ideen und Inspirationen. Für die gute Stimmung dabei hat auch der Ritualcharakter des Ganzen gesorgt, das Lawinenhafte der Vorschläge.
Format 2: Der Tetralog. In Vierergruppen geht es um zwei einfache Fragen: Wer bin ich? Warum bin ich hier? Die äußeren Regeln sind einfach. Eine Person hat sechs Minuten, um im freien Fluss über die beiden Fragen zu sprechen. Nicht unterbrochen und unkommentiert von den drei Zuhörenden. Die üben sich in Active Listening: Dem Sprechenden möglichst ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen, nicht abzuschweifen, das Gehörte nicht zu werten. Nächster Schritt, auch der wird mit einem Timer gestoppt: Jeder der drei Zuhörenden hat eine Minute Zeit, ein – und das ist superwichtig – positives Feedback zu geben. Was habe ich gehört, was mir Freude macht, was ich mutig und toll finde, was mich inspiriert. Wenn sich alle Gruppen an diesen Rhythmus halten, kommt man nach einer Dreiviertelstunde wieder zusammen. Obwohl wir uns schon lange kennen, ist der Tetralog nach wie vor als ideale Form, uns beim Wiedersehen neu zu verbinden und das Vertrauen zu erneuern. Außerdem: Dieses „Ich“ ist immer wieder neu, in neuer Lebensphase, kommt in anderer Verfassung zum Treffen. Ich selbst habe dieses Format schon in Kongresshallen mit Hunderten von Teilnehmenden gemacht. Der Effekt ist jedes Mal der Gleiche: Danach sieht man viel Lächeln in den Gesichtern, die Körper sind entspannt. Tetralog ist eine der einfachsten Formen, um mehrere Grundbedürfnisse des Menschen zu befriedigen: Wir wollen gehört, gesehen und wohlwollen aufgenommen werden.
Format 3: Anschwellender Chorgesang. Gemeinsames Singen stiftet auf einfache Weise Verbundenheit. Es aktiviert gleichzeitig Denken, Fühlen und den Körper. Dabei steht eine Gruppe im Kreis, eine Person fängt an mit einer kurzen gesungenen (oder: gelärmten) Sequenz und wiederholt sie weiter. Die Person neben ihr fügt ihre Sequenz hinzu und so weiter, bis die Runde komplett ist. Man wundert sich, wie wundervoll dieser Spontanchor klingt! Das Abschwellen geht in der gleichen Reihenfolge – bis die letzte Person verstummt ist. Andachtsvolles Schweigen: Wow, das haben wir wundrebar improvisiert.
Mit solchen Formaten gehen wir nach den Treffen in die Welt. Und beglücken Tagungen, Kongresse, Konferenzen und auch mal Workshops und Meetings damit. Die Erfahrung zeigt, dass sich Menschen in lebendigen Räumen wohl fühlen und deshalb auch besser miteinander kooperieren, gestalten und lernen können.